In diesem Beitrag findest du ein Beispiel für eine Gedichtinterpretation beziehungsweise in diesem speziellen Fall einer Liedinterpretation.

Das Gedicht „Schwarz zu Blau“ ist von Peter Fox und wurde im Jahr 2008 veröffentlicht.

Dieses Beispiel zeigt den grundsätzlichen Aufbau einer Gedichtinterpretation, sowie die Verknüpfung der einzelnen Textpassagen.

Zum Thema „Erstellung einer Gedichtinterpretation“ haben wir euch einen extra Beitrag geschrieben, den du hier findest.

Gedichtinterpretation Beispiel: Peter Fox – Schwarz zu Blau

Das Lied „Schwarz zu Blau“ des Künstlers Peter Fox wurde  im Jahr 2008 veröffentlicht. Der Protagonist des Liedes beschreibt mit seinem Text die Hassliebe zur Großstadt Berlin, die er einerseits hässlich findet, andererseits aber auch zum Atmen braucht.

Zu Beginn des Liedes werden vom lyrischen Ich in der ersten Strophe die Eindrücke des Heimwegs nach einer durchzechten Partynacht beschrieben. Der Protagonist verlässt den Club: „Komm aus’m Club […]“ (V. 1) und muss dabei über „Schnapsleichen“ (V. 3), die „verwesen“ (V. 3) steigen. Diese Hyperbel beschreibt schon zu Beginn des Liedes den „hässlichen“ Eindruck der Großstadt. Im Anschluss folgen weitere Hyperbeln und Metaphern, wie zum Beispiel: „[…] seh die Ratten sich satt fressen […]“ (V. 4) und „Stapf‘ durch die Kotze am Kotti, […]“ (V. 5). Auch die Armut und Drogenjunkies der Großstadt werden nicht unerwähnt gelassen: „[…], Junks sind benebelt“ (V. 5), sowie „Gepiercte Mädels die wollen, dass ich Straßenfeger lese“ (V. 8). Dabei wird die Armut indirekt über das Wort „Straßenpfeger“ ausgedrückt, da dies eine Zeitschrift ist, welche von Obdachlosen meist in U- und S-Bahnen verkauft werden.

Die zweite Strophe ist eine Fortsetzung der ersten Strophe. Hier wird zum ersten Mal die Uhrzeit genannt: „Halb Sechs […]“ (V. 1). Die Augen des Protagonisten „brennen“ (Vgl. V. 1), was eine Metapher für die Müdigkeit darstellt. Auf seinem Heimweg tritt er auf einen Typen (Vgl. V. 2), welcher „zwischen toten Tauben pennt“ (Vgl. V. 2). Diese Metapher soll die Armut bzw. Obdachlosigkeit der Stadt weiter visualisieren. Im Folgenden wird eine Auseinandersetzung zwischen „Tarek“ (V. 5) und „Sam“ (V. 6) geschildert. Aufmerksam auf die Auseinandersetzung wird der Protagonist durch deren „hysterischen Bräute“ die „keifen“ (Vgl. V. 3). Dabei nutzt der Komponist das Stilmittel des Pleonasmus, um die Situation zu dramatisieren. Außerdem wird ein direktes Zitat mit eingebunden: „Halt‘s Maul oder ich werd‘ dir ins Gesicht schlagen“ (V. 5) um die Authentizität zu stärken. Zwei weitere Metaphern „Sam hat die Hosen voll […]“ (V. 6) und „Die rote Suppe tropft auf den Asphalt“ (V. 7) sollen die Situation weiter bildlich beschreiben. Dem Protagonisten wird zwar schlecht (Vgl. V. 7), jedoch lässt er sich von diesem Geschehnis nicht beindrucken („Ich mach die Jacke zu, denn es ist kalt“ [V. 8]), da dies eine weitere natürliche Alltagsszene der Großstadt Berlin darstellt.

Im Anschluss an die dritte Strophe folgt der Refrain. Im Refrain wird die Stadt Berlin personifiziert (zum Beispiel „Guten Morgen Berlin“ [V. 1], „du kannst so hässlich sein“ [V. 2], „Du kannst so schön schrecklich sein“ [V. 4] oder „deine Nächte […]“ [V. 5]). Der Refrain beschreibt die Hässlichkeit (Vgl. V. 2) der Stadt während der Nacht bzw. während des frühen Morgens. Dabei verwendet der Komponist auch Hyperbeln („schön schrecklich“ [V. 4], sowie „deine Nächte fressen mich auf“ [V. 5]). Den Übergang von Nacht zu Tag bringt die Metapher „wird langsam schwarz zu blau“ zum Vorschein. Damit ist die schwarze Nacht gemeint die am Morgen langsam erwacht, während der Himmel sich blau färbt.

Die vierte Strophe handelt von müden Menschen (Vgl. V. 1), die zur Arbeit wollen (Vgl. V. 3) und auf den Bus warten, der jedoch nicht kommt, weshalb Frust aufkommt (Vgl. V. 4). „mit tiefen Falten im Gesicht“ (V. 2) ist eine Metapher um die Müdigkeit der Menschen zu beschreiben. Typisch für Berlin aber auch andere Großstädte ist auch, dass die „Frühschicht“ (Vgl. V. 3) am Morgen kaum Worte verliert und jeder für sich bleibt.

Der Protagonist beschreibt in der fünften Strophe wieder die Hässlichkeit der Stadt und spielt auf die unreine Luft an (Vgl. V. 3-4). „Und überall liegt Scheiße, man muss eigentlich schweben“ (V. 1) ist eine Hyperbel und Metapher zugleich die das Problem des Hundekots in der Großstadt anspricht. Auch die Einsamkeit in der Großstadt wird vom Protagonisten erwähnt: „Jeder hat ‚nen Hund, aber keinen zum Reden“ (V. 2).

Die sechste Strophe hebt sich von den anderen Strophen ab. Es wird zum ersten Mal nicht die Hässlichkeit, sondern auch die schönen Seiten der Stadt beschrieben. In Vers 1 und Vers 2 wird eine Anapher verwendet: „Ich hab ‚nen dicken Kopf, […]“, sowie „Ich hab dringlichen Bock […]“. Außerdem kommt das Stilmittel der Alliteration zum Einsatz „[…] Bock auf Bagdads Backwaren“ (V. 2) und „[…] pumpen aus ‚nem parkenden Benz“ (V. 5). Der Protagonist erzählt von einem Backwarenladen, in dem es warm ist und er träumen kann. (Vgl. V. 3). Des Weiteren schwärmt er von einer süßen Backwarenverkäuferin namens Fatima. Es wird versucht eine harmonische Stimmung zu erzeugen und die große, weite, anonyme Stadt Berlin klein scheinen zu lassen. Eine Stadt in der man sich trotz Millionen von Menschen in seinem Kiez untereinander kennt. Der Protagonist beobachtet wie die „Straßengangs“ (V. 6) Feierabend machen und selbst ein Hooligan in den Armen einer Frau „flennt“ (V. 7).  Am Ende kommt er zu dem Entschluss, dass Berlin nicht so hart ist, wie „du“ (V. 8) denkst. Dieser direkte Appell wird an den Zuhörer gerichtet.

In der 7. Strophe wird durch den Refrain wieder die scheinbare Hässlichkeit der Stadt geschildert.

Auch in der 8. Strophe wird dies noch ein allerletztes Mal zum Ausdruck gebracht, jedoch kommt der Protagonist zum Fazit, dass er die Stadt „[…] zum Atmen brauch […]“ (V. 9). Die Stadt wird an mehreren Stellen personifiziert und direkt angesprochen (V. 2-6, sowie V. 9).  Um die Müdigkeit des lyrischen Ich zu betonen, wird eine Hyperbel benutzt: „Ich bin kaputt“ (V. 1). Der Dreck der Stadt wird bildlich durch eine Metapher beschrieben: „Und reib mir aus meinen Augen deinen Staub“.

Das Gedicht besteht aus 8 Strophen. Die erste, zweite und 6. Strophe besteht jeweils aus 8 Versen, der Refrain in Strophe 3 und 7, sowie die 8. Strophe aus 9 Versen. Strophe 4 und 5 bestehen jeweils aus 4 Versen, wobei diese, wenn man sie zu einer Strophe zusammenfassen würde, wieder 8 Strophen beinhalten und zu dem übrigen Strophenschema passen würde. Jedoch wurde dies absichtlich in 2 Strophen unterteilt um die Aufmerksamkeit des Zuhörers auf sich zu lenken.

Es gibt kein eindeutiges Reimschema. Bis auf Strophe 4 und 5, in der Haufenreime durch die gesamte Strophe vorkommen, wechselt das Reimschema von garkeinem (Strophe 3,7,8), über Paarreime (Strophe 2 Vers 5/6, Strophe 6) bis hin zum Kreuzreim (Strophe 1 Vers 1-4).

Der Komponist verwendet viele Hyperbeln und Metaphern, viel Alltagssprache und schöpft neue Wörter (Stichwort Neologismus), wie zum Beispiel im 4. Vers der ersten Strophe das Wort „Dönerläden“.

Ein eindeutiges Metrum ist nicht vorhanden, jedoch ist im Refrain (Strophe 3 und 7) ein Trochäus vorhanden, welches den Refrain von übrigen Lied hervorhebt.

Das Lied wurde in der Epoche der Modernen geschrieben, welche der Gegenwärtigen entspricht. Ein bedeutendes Merkmal der modernen Zeit ist die umfassende Benutzung von Stilmitteln jeglicher Art, welches sich in dem Lied sehr gut wiederspiegelt. Es werden viele verschiedene Reimschemata, sowie rhetorische Stilmittel benutzt und mit einer für Berlin typischen Umgangssprache vermischt.

Außerdem finden sich aber auch viele Merkmale des Expressionismus wieder, da diese auch heute noch unser Leben bestimmen. So werden u.a. emotionale und soziale Oberflächlichkeit, sowie all die zwischenmenschlichen Probleme, wie zum Beispiel Verfremdung, Gleichgültigkeit und Anonymität angesprochen.

Ein, meiner Meinung nach sehr gelungenes Lied!