In diesem Beitrag findest du ein Beispiel für eine textgebundene Erörterung zur Fragestellung, ob wir unsere privaten Daten verkaufen dürfen bzw. sollten.

Dieses Beispiel zeigt den grundsätzlichen Aufbau einer textgebundenen Erörterung und wie die einzelnen Pro und Kontra Argumente miteinander verknüpft werden können.

Zum Thema „Textgebundene Erörterung schreiben“ haben wir einen extra Artikel geschrieben, den du hier findest.

Dürfen wir unsere privaten Daten verkaufen? (Erörterung Beispiel)

Im Jahr 2014 nutzten 76,8 Prozent[1] der Bevölkerung Deutschlands das Internet. Das sind 24,1 % mehr, als genau vor 10 Jahren. Die Anzahl der mobilen Nutzer stieg von 2012 mit rund 21 Millionen auf 37 Millionen Personen im Jahr 2014. Tendenz steigend. 2017 sollen bereits 3 Milliarden Menschen das Internet über ein mobiles Endgerät nutzen. Klar, dass dadurch auch jede Menge privater Daten von uns entstehen, an denen viele Firmen großes Interesse haben. In dem Artikel „Der Preis einer Person“ von Evgeny Morozov, erschienen am 10.05.2014, setzt sich der Autor mit der Frage, ob wir unsere privaten Daten verkaufen dürfen, auseinander.

Evgeny Morozov führt zunächst ein Experiment eines niederländischen Studenten namens Shawn Buckles an. Dieser wollte das Bewusstsein der Menschen schärfen, indem er seine intimsten Daten versteigert. Es wird außerdem auf ein anderes Experiment von Federico Zannier hingewiesen. Beide stehen laut Morozov für einen Trend, der bei Zukunftsforschern auch wie folgt bezeichnet wird: „Unsere persönlichen Daten verwandeln sich in Vermögenswerte“ (S. 1, Z. 18)

Entgegen dieses Trends vertritt der Autor die These, dass unsere privaten Daten nicht als Handelsgüter betrachtet werden sollten. Er führt dazu einige Argumente auf und untermauert diese mit entsprechenden Beispielen. Dabei setzt er sich aber auch durchaus kritisch mit dem Thema auseinander. Dies lässt sich zum Beispiel daran erkennen, dass Morozov den Verkauf von persönlichen Daten nicht grundsätzlich ablehnt. Er stellt dazu folgende Antithese auf: „Für Datennutzung zu bezahlen ist nicht prinzipiell schlecht. Die Schattenseite zeigt sich erst zu einem späteren Zeitpunkt“ (S. 2, Z. 31f). Beispielsweise ist er der Meinung, dass die Bereitstellung von persönlichen Daten zu Forschungszwecken keine große Veränderung auf unser Leben hat.

Diese Meinung kann ich mit vertreten, denn würden wir den  Forschungsinstituten keine persönlichen Daten bereitstellen, wäre unsere Forschung nicht so weit, wie sie jetzt ist. Ein positives Beispiel ist meiner Meinung nach die DKMS (Deutsche Knochenmarkspenderdatei), welche auf die freiwillige Bereitstellung der Gewebemerkmale eines Individuums angewiesen ist. Es kann zum einen Forschung betrieben werden und zum anderen ein geeigneter Stammzellenspender gefunden werden. Wer weiß, vielleicht ist man selber eines Tages darauf angewiesen?

Weiterhin bin ich der Auffassung, dass ein grundsätzliches Verbot, unsere privaten Daten zu verkaufen, ein großer Eingriff in unser Persönlichkeitsrecht ist. Jeder Mensch sollte frei entscheiden dürfen, wie er mit seinen persönlichen Daten umgeht.

Aber es gibt nicht nur positive Ansichten, die den Verkauf von persönlichen Daten berechtigen. Insbesondere mit den negativen Aspekten setzt sich der Autor kritisch auseinander.

Er ist der Auffassung, dass der Verkauf unserer persönlichen Daten Einfluss auf unsere Bedürfnisse und Entscheidungen hat. Dazu nennt er das Beispiel, dass Firmen uns gezielt mit Werbung, wie zum Beispiel für eine Coke, ansprechen und beeinflussen können, obwohl wir eventuell gar nicht durstig sind.

Ein weiterer Punkt, den der Autor nennt, ist die Einflussnahme durch konkurrierende Unternehmen auf unsere Entscheidungen. Sollten wir unsere Lebensweise verändern wollen, werde dies den Firmen signalisiert. Diese würden dann nach Morozovs Meinung versuchen, uns durch zugeschnittene Ereignisse (wie z.B. Sparangebote, Gutscheine, etc.) zu lenken.

Ein weiteres Beispiel für eine gezielte Marktmanipulation ist meiner Meinung nach die Firma Payback. Schon jetzt „verkaufen“ wir unsere Daten bei jedem Einkauf „freiwillig“ an dieses Unternehmen. Als Gegenleistung erhält man sogenannte „Treuepunkte“, die man dann gegen Sachleistungen eintauschen kann.  Jedoch stimmt meiner Ansicht nach das Verhältnis zwischen materiellem Wert und dem Wert der eigenen Daten (wann, wo und wie viel ich eingekauft habe, …), die ich dem Unternehmen preisgebe, nicht. Durch die gezielte Datensammlung von Payback und Co. können diese unser Kaufverhalten analysieren und z.B. die Preise zu bestimmten Zeiten anheben. Am Ende machen wir deshalb sogar noch Minus.

Der Autor ist außerdem der Meinung, dass wir durch den Verkauf unserer intimsten Daten in eine Richtung gedrängt werden und somit den Autonomieverlust in Kauf nehmen. Dies hat eine Begrenzung der Persönlichkeitsentfaltung zur Folge. Der Autor benutzt extreme Argumente, wie z.B. „Sklaverei“ oder „Autonomie“ (Zeile 105 ff) um seine Meinung zu bekräftigen. Zusätzlich verwendet Evgeny Morozov Superlative wie z.B. „intimste“ und „privatesten Daten“ zur Untermauerung seiner Argumentation.

Weiterhin bin ich der Meinung, dass der Verkauf unserer Daten auch Gefahren wie zum Beispiel die des Identitätsdiebstahls mit sich bringt. Wenn wir unsere Daten an Firmen verkaufen, können diese Profile von uns erstellen. Gelangen diese Daten an Unbefugte, ist es möglich, dass diese unter falschem Namen Straftaten o.ä. begehen. Außerdem ist es möglich, durch die so gewonnen Daten, regelmäßige Tagesabläufe einer Person zu erstellen. Wer will schon, dass jemand weiß, wann man zu Hause ist und wann nicht? Muss man es den Einbrechern von heute so leicht machen?

Morozovs Text ist teilweise deskriptiv, da informativ, aber teils auch argumentativ, da er seine eigene Meinung äußert und versucht die Meinung der Leser zu beeinflussen. Dies fällt bei der Argumentation durch die häufige Verwendung des Wortes „wir“ auf. Der Autor versucht einen Gemeinschaftssinn zu wecken. Deutlich zu erkennen in den Zeilen 34-39. Beispiel: „Wenn wir unsere Daten […]“ (vgl. S. 2, Z. 34), oder „Wir suchen im Internet nach Vitamintabletten – schon erhalten wir punktgenaue Werbung […]“ (vgl. S. 2, Z. 39f). Durch die Verallgemeinerung des eigenen Standpunktes mit Sätzen wie „Heutzutage erwarten wir individuelle Ansprache, […]“ (S. 3 Z. 73f) oder „So sind wir aber nicht, und so wollen wir auch nicht sein.“ (Zeile 76ff) versucht der Autor die Meinung der Leser in eine gezielte Richtung zu lenken.

Wenn ich nun die Vor- und Nachteile abwäge, komme ich zu der Schlussfolgerung, dass wir nicht unsere privatesten und intimsten Daten verkaufen und somit uns als menschliche Waren anbieten sollten. Für Zwecke des Allgemeinwohls, wie z.B. Forschung o.ä. mag das legitim sein, jedoch nicht, um aus den Daten Profit zu schlagen. Ich bin der Meinung, dass viele Menschen sich gar nicht über dessen Tragweite bewusst sind, da die meisten sowieso eine „Ich habe eh nichts zu verbergen“-Einstellung haben. Sind die Daten erst einmal „verkauft“, hat man darüber keine Kontrolle mehr und weiß nicht, wer auf diese Daten alles Zugriff hat und was er damit anstellen kann.

[1] Quelle: http://de.statista.com/statistik/daten/studie/13070/umfrage/entwicklung-der-internetnutzung-in-deutschland-seit-2001/