In diesem Artikel möchten wir euch erklären, wie man eine textgebundene Erörterung schreiben kann.

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Der Aufbau einer textgebundenen Erörterung ist meißtens identisch, deshalb gibt es zum Schreiben einer textgebundenen Erörterung einen einfachen „Bauplan“. An diesen Aufbau solltet ihr euch halten, damit nichts vergessen wird und die textgebundene Erörterung ein voller Erfolg wird.

Dieser Artikel beschreibt den grundsätzlichen Aufbau einer textgebundenen Erörterung, welcher aber dem Aufbau einer dialektischen Erörterung ähnelt. Zum Schreiben einer dialektischen Erörterung haben wir einen extra Artikel verfasst.

1.1 Textverständnis entwickeln

Bei einer textgebundenen Erörterung bekommt ihr einen Text zu einem bestimmten Thema vorgegeben.

Die erste Frage, die ihr klären müsst lautet:

Worum geht es in dem Text?

Anschließend solltet ihr den Text nochmal lesen und die Argumente des Autors herausfiltern. Markiert dazu die Argumente des Autors (möglichst in unterschiedlichen Farben), sowie Thesen, Schlüssel- und Signalwörter, Erläuterungen und Beispiele. Kommen dir beim Lesen des Textes fragen auf, schreibe diese als Notiz an den Rand.

Als nächstes gilt es zu klären, welche Wirkungsweise der Text hat.

Welche Absicht beziehungsweise Wirkungsweise hat der Text?

Ein Text kann mehrere Absichten haben. Zum einen kann er nur den Leser zu einem bestimmten Thema:

  • informieren (deskriptiv),
  • die Meinung des Autors vertreten und versuchen den leser zu beeinflussen (argumentativ) oder
  • den Leser unterhalten (narrativ).

1.2 Argumente herausschreiben

Auch wenn ihr euch die Argumente markiert habt, schreibt diese in eigenen Worten auf einem Notizblatt stichpunktartig auf.

Dafür ist am besten eine kleine Tabelle mit einer pro und einer kontra Spalte geeignet. Wenn ihr die Argumente aufschreibt, versucht gleichzeitig eine Gewichtung zu vergeben.

Welches ist das stärkste und welches das schwächste Pro Argument des Autos?

Welches ist das stärkste und welches das schwächste Kontra Argument des Autors?

Notiert euch dahinter auch die Zeilenangaben im Text, so erpart ihr euch später das suchen.

1.3. Eigene Argumente sammeln

Als nächsten Schritt überlegt ihr euch eigene Argumente zu der Problemstellung des Textes. Ihr solltet hier entscheiden, in welche Richtung eure Argumentation gehen soll.

Seid ihr dafür oder dagegen?

Auch hier solltet ihr eure Argumente gewichten um die spätere Strukturierung des Textes zu vereinfachen.

Solltet ihr selber keine eigene Meinung zur Thematik haben, ist es wichtig, dass ihr euch trotzdem Argumente ausdenkt. Ob ihr dieser Meinung seid, interessiert später keinen. Der Lehrer muss aber erkennen, dass ihr das Prinzip der Erörterung verstanden habt und Argumente objektiv erörtern könnt.

2. Die textgebundene Erörterung schreiben

Nachdem ihr nun den Text mehrmals gelesen und verstanden, die Argumente des Autos, sowie eure eigenen Argumente gesammelt habt, geht es nun an das Schreiben der textgebundenen Erörterung.

Der grundsätzliche Aufbau einer textgebundenen Eröterung besteht aus 4 Abschnitten:

  • Einleitung
  • Textwiedergabe
  • Eigene Erörterung
  • Fazit / Schluss / Synthese

Im Folgenden möchten wir genauer auf die einzelnen Abschnitte einer textgebundenen Erörterung eingehen.

2.1  Einleitung

Die Einleitung einer textgebundenen Erörterung beginnt idealerweise mit einem allgemeinen, informativen Absatz über die Problematik des Textes. Hervorragend eignen sich dazu zum Beispiel Statistiken oder aktuelle Ereignisse (wenn Hintergrundwissen vorhanden).

Statistisch gesehen wird in England jeder Mensch ca. 300 Mal pro Tag von einer Kamera erfasst. 1.903 Überwachungsmaßnahmen (Festnetz, Internet,Mobilfunk) wurden im Jahr 2013 in Berlin registriert. Dies ist ein Zuwachs von 155 % zum Jahr 2008. In Brandenburg betrug die Anzahl von Überwachungsmaßnahmen 268. Dies entspricht einem  Zuwachs von 267 %. Tendenz steigend.

Durch diese interessanten Fakten wird die Aufmerksamkeit des Lesers geweckt und dieser bekommt Lust auf mehr.

Danach muss auf den den vorliegenden Text eingegangen werden. Wichtig ist dabei das man alle vorhanden Informationen zum Text nennt (Textart, Autor, Jahr, erschienen in, Problemstellung)

In dem Artikel „Staatliche Überwachung: Sicherheit total“ von Juli Zeh, erschienen am 06.08.2008 in der Zeitung DIE ZEIT (online), setzt sich die Autorin mit der Frage, ob wir durch die immer weiter steigende staatliche Überwachung wirklich sicherer sind, auseinander.

Und das war es schon, eure Einleitung ist fertig!

2.2 Textwiedergabe

Nachdem ihr die Einleitung geschrieben habt, folgt eine Inhaltsangabe des Textes in eigenen Worten.

Nutzt dazu eure vorher angefertigte pro und kontra Tabelle und stellt dar, wie der Autor seine Thesen durch Argumente und Beispiele beschreibt. Nicht selten kommt es vor, dass der Autor zwar Thesen aufstellt, diese aber nicht mit Beispielen und Argumenten untermauern kann. Dies müsst ihr erkennen und in eure Inhaltsangabe mit einbringen.

Des Weiteren sind direkte und indirekte Zitate sehr wichtig! Dabei müsst ihr unbedingt auf die korrekte Zitierweise achten.

In der Inhaltsangabe dürft ihr noch nicht eure eigene Meinung vertreten!

2.3 Eigene Erörterung

Nun folgt eure eigene Erörterung. Diese könnt ihr am besten mit einer Frage ein- beziehungsweise überleiten.

Doch sind wir nun durch eine kontinuierlich steigende staatliche Überwachung wirklich sicherer?

Ich bin, wie Juli Zeh, auch der Meinung, dass sich […]

Für die eigene Argumentation gibt es 2 Vorgehensweisen:

  • Sanduhr-Prinzip
  • Ping-Pong-Prinzip

Ihr müsst euch für eines dieser Prinzipien entscheiden.

Nachfolgend eine kurze Erklärung zu den Prinzipien (unter der Annahme, dass ihr Pro argumentieren wollt)

Sanduhr-Prinzip: Beginnt erst mit dem stärksten Kontra-Argument hin zum schwächsten. Danach folgt das schwächste Pro-Argument bis hin zum stärksten Pro-Argument.

Ping-Pong Prinzip: Pro- und Kontra-Argumente wechseln ständig. Achte darauf, dass dein letztes Argument ein Pro-Argument (da dieses Beispiel auf eine Pro-Argumentation hinaus laufen soll) ist, um einen nachhaltigen Eindruck zu hinterlassen.

Ihr solltet auch auf die Argumente des Autors eingehen und diese eventuell stärken oder entkräftigen.

Faustregel für eigene Argumente: 3 Pro und 3 Kontra-Argumente

2.4 Fazit / Schluss / Synthese

Der Schluss fässt nochmal alles zusammen und endet mit einem begründetem Fazit.

Versuche aktuelle Ereignisse oder Probleme mit dem Thema zu verknüpfen und eine Prognose oder einen Appell zu formulieren. Ein häufiger Fehler den Schüler machen ist, dass der Schlussteil sehr kurz ausfällt.

Deshalb ruhig etwas weiter ausholen und dadurch Punkte sammeln!

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