Im vorliegenden Artikel handelt es sich um ein Beispiel für eine Erörterung aus einer originalen Klausuraufgabenstellung. Die Aufgabe war es, einen vorgegebenen Text („Der Gesundheitswahn und seine Moden“ von Ulrich Greiner) im Hinblick auf Juli Zehs Roman „Corpus Delicti“ zu erörtern. Dabei sollten zunächst die Kernaussagen des Textes erarbeitet werden.

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  • Aufgabenart: Erörterndes Erschließen mit Textvorlage
  • Thema: Literarische Dystopie: Gesundheitsstaat
  • Zeitvorgabe: 180 Minuten
  • Hilfsmittel: Wörterbuch der deutschen Rechtschreibung

Beispiel Erörterung

Die Menschen von heute setzen sich mit den Themen Gesundheit, Fitness und Ernährung wie nie zuvor auseinander. In dem Artikel „Der Gesundheitswahn und seine Moden“ von Ulrich Greiner, erschienen am 9. Mai 2014 auf der Internetplattform „Zeit Online“, setzt sich der Autor mit den ständig wechselnden Lebens- bzw. Gesundheitsempfehlungen der Wissenschaft auseinander und dem daraus resultierenden Gesundheitswahn der Bevölkerung.

Zunächst führt der Autor die Meinung an, dass die richtige Ernährung ein Problem geworden sei, da man sich heutzutage nicht mehr einfach nur hinsetze und esse, bis man satt sei (Vgl. Z. 1f).

Seiner Meinung nach könne die Behauptung, Grönlandbewohner leben länger, da sie fettigen Fisch essen, neuen Erkenntnissen nicht mehr standhalten und er begründet dies durch einen neuen Befund von kanadischen Forschern.

Aufbauend auf diesen neuen Befund behauptet Herr Greiner ironischerweise, dass dies doch sehr schade sei, aber die Menschen nun auf eine neue Omega-4-fettsäure warten würden.

Weiterhin ist er der Ansicht, dass es beim Essen nicht darum geht satt zu werden. Diese ironisch formulierte These stützt er mit einer Behauptung von Jürgen von Manger, der der Meinung ist, dass Essen eher der „Körperpflege und Gesundheitsreinigung“ (Z. 21) diene.

Er ist außerdem der Meinung, dass die Wissenschaft genauso wenig Ahnung hat, wie eine „kartenlesende Zigeunerin“ (Z. 26f). Dazu nennt er die Beispiele Spinat und Cholesterin. Zu beiden Faktoren kam es zu Fehleinschätzungen der Wissenschaft, die heute widerlegt sind.

Im weiteren Verlauf des Textes schreibt der Autor über den neuen Trend in Supermärkten, welche Laktose und Gluten freie Produkte anbieten. Ein Trend, immer individueller auf Kundenwünsche einzugehen. Die vielen unterschiedlichen Ansprüche der Menschen treten in Amerika schon seit Jahren auf, weshalb es dort üblich sei, sein Essen zu einer Party selbst mitzubringen.

Zusätzlich ist er der Ansicht, dass die Beliebtheit der Apothekenumschau nicht am Preis liege, da diese kostenlos ist, sondern eher an den vielen Ratschlägen für ein gesundes Leben. Die Menschen wollen seiner Meinung nach so viele Ratschläge wie möglich.

Abschließend kommt er zu dem Fazit, dass die einfachsten Vorgänge, wie schlafen und sitzen, bei genauerem Bedenken sehr komplizierte Vorgänge sein können.

Der Autor schreibt deskriptiv, da informativ, zum größten Teil jedoch argumentativ, da er seine eigene Meinung vertritt und versucht den Leser zu beeinflussen. Dies geschieht zum einen durch ironisch formulierte Aussagen, wie zum Beispiel „Wie Schade! Hatten wir uns doch den Begriff der mehrfach ungesättigten Fettsäure mühsam eingeprägt“ (Z. 12f) oder „Es geht ja beim Essen bekanntlich nicht darum, satt zu werden“ (Z. 19) zum anderen aber auch durch die Bildung einer „wir“-Gruppe. Erkennen kann man dies zum Beispiel in der Zeile 16 „[…], fragen uns allerdings, […]“ oder in Zeile 20f „Darüber sind wir hinaus.“. Durch die ironisch formulierten Aussagen wirkt der Text zusätzlich narrativ. Des Weiteren benutzt der Autor Superlative wie zum Beispiel „verteufelt kompliziert“ (Z. 53), wobei „verteufelt“ auch gleichzeitig eine Metapher ist. Seine Thesen werden häufig gar nicht begründet oder nur mit Beispielen erklärt.

Im Folgenden möchte ich auf den Gesundheitswahn und dessen Moden genauer eingehen.

Das Streben nach einem gesunden Leben ist meiner Meinung nach grundsätzlich nicht schlecht, da dies eine höhere Lebenserwartung zur Folge haben kann. Ein langes und gesundes Leben ist das Ziel eines jeden Individuums, so wird dies auch im Roman von Juli Zeh beschrieben, denn da verfolgt die „METHODE“ genau dieses Ziel. Vor allem aber gesund im Alter zu sein, ist für den Staat ein großer Vorteil, da dadurch zum Beispiel die hohen Kosten der Krankenversicherungen gesenkt werden können. Die Kosten werden so schon immer höher, da immer weniger Kinder geboren werden und es immer mehr ältere Menschen gibt.

Ein weiterer Vorteil des Strebens nach Gesundheit ist der finanzielle Aspekt, der hinter dieser riesigen Industrie steckt. Es werden Arbeitsplätze für Wissenschaftler, Werbedesigner, Kaufleute und viele mehr geschaffen. Würde es diesen Industriezweig nicht geben, wären viele Menschen arbeitslos und würde auch das Geld für weitere Forschung fehlen. Im Roman von Juli Zeh werden durch diesen Gesundheitswahn auch Arbeitsstellen geschaffen. Es muss dort Menschen geben, die die Einhaltung des Sportpensums, sowie die Schlafberichte überprüfen. Menschen die, die Nichteinhaltung verfolgen und anklagen, sowie Menschen, die verurteilen.

Des Weiteren werden sich die Menschen erst bewusst, was sie täglich an Nahrung zu sich nehmen und wie viel Sport dem gegenübersteht. Als Beispiel ist der Verzehr eines Hamburgers zu nennen. Ein Hamburger hat ca. 350 Kalorien. Um diese 350 Kalorien zu verbrennen, muss man ca. 40 Minuten joggen gehen. Hätten Sie das gedacht? Es gibt noch viele andere Nahrungsmittel, die nachweislich für den Körper nicht gesund sind. Koffein und Alkohol zum Beispiel, welche in der METHODE auch strikt verboten sind. Ohne Aufklärung würden die Menschen sicherlich vielmehr ungesunde Nahrung zu sich nehmen.

Allerdings bin ich der Meinung, dass man den Gesundheitswahn nicht übertreiben sollte. Ich bin der Auffassung, dass man nicht hungern sollte, um blos kein Gramm zu viel am Körper zu haben. Ähnlich sieht der Autor das auch, auch wenn ironisch als Antithese aufgestellt (Z. 19). Man sollte natürlich alles irgendwie in Maßen zu sich nehmen aber es dürfte keine Verbote geben. Es darf keine vorgeschriebenen Sportaktivitäten geben, die man, wie in Corpus Delicti beschrieben, monatlich nachweisen muss und deren Nicht-Nachweis zur Bestrafung führt.

Weiterhin bin ich der gleichen Meinung, wie der Autor, dass wir nicht alles komplizierter machen sollten, als es eigentlich ist. Es kann nicht sein, dass man erst minutenlang überlegen muss, ob man zum Beispiel eine Scheibe Brot isst oder nicht, da man nicht weiß, wie viel Gluten enthalten ist beziehungsweise ob es aus Mehr- oder Vollkorn besteht. Eine sinnvolle Verbesserung wäre meiner Meinung nach die Einführung eines Ampelsystems auf den Verpackungen, da man sofort erkennen könnte, ob es sich um ein eher gesundes oder ungesundes Produkt handelt. Jedoch ist die Nahrungsmittelindustrie strikt dagegen. Fragt sich blos warum?

Vor allem aber sehen ich das Problem, dass der Gesundheitswahn ein immer größerer Wettbewerb wird. Jeder will schlank, gesund und fit sein. Immer mehr Menschen ernähren sich vegan, da es angeblich gesunder sein soll. Jedoch fehlen dem Körper wichtige Stoffe wie zum Beispiel Kreatin, welches unter anderem in Fleisch enthalten ist. Diese Stoffe müssen durch Nahrungsergänzungsmitteln aufgenommen werden, die sicherlich nicht gesünder sind.

Zusammenfassend bin ich der Meinung, dass zwar eine gesunde Ernährung und ein gesunder Lebensstil nicht verkehrt ist und der momentane „Gesundheitswahn“ uns hilft einige Lebensweisen genauer zu betrachten, jedoch dies alles nicht übertrieben werden sollte. Gesundheit ist ein hohes Gut, jedoch sollte sich das Leben nicht nur darum drehen. Man sollte das Leben auch genießen können und dazu gehört auch das „sündigen“. Ich hoffe nicht, dass uns eines Tages vorgeschrieben wird, wie wir zu leben haben. Wollen Sie das etwa?

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