In diesem Beitrag findest du ein Beispiel für eine Erörterung zum Thema Fitness Tracker.

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Dieses Beispiel zeigt den grundsätzlichen Aufbau einer Erörterung und wie die einzelnen Pro und Kontra Argumente miteinander verknüpft werden können.

Zum Thema „Erstellung einer textgebundenen Erörterung“ haben wir einen extra Beitrag geschrieben, den du hier findest.

Beispiel für eine textgebundene Erörterung

Fitness Tracker – Private Gesundheitsüberwachung oder Big Data für Versicherungen

Sehr viele Smartphonebesitzer benutzen bereits sogenannte Activity- oder auch Fitness Tracker. Wurden im Jahr 2014 13,5 Millionen Gesundheits- und Fitness Tracker, sowie 4 Millionen SmartWatches verkauft, sind es im Jahr 2015 bereits 25 Millionen Tracker und 26,1 Millionen SmartWatches[1]. Tendenz steigend.

In dem Artikel „Fitness Tracker – Private Gesundheitsüberwachung oder Big Data für Versicherungen“  eines unbekannten Autors, erschienen am 20.07.2014 auf der Internetplattform versicherungsbote.de, setzt sich der Autor mit den Folgen der Datensammlung von großen Unternehmen durch Hilfe von Fitness Trackern, auseinander.

Der Autor leitet seinen Text mit der Aussage ein, dass die heutige Generation nicht nur aktiv sei, sondern auch ihren Gesundheitszustand permanent überwacht und stellt die These auf, dass diese Daten nicht nur für die Benutzer selbst interessant seien. Als Beispiel für interessierte Unternehmen nennt er u.a. die „Datenkrake“ (Z. 16) Google mit einem Projekt namens GoogleFit, sowie Apple mit dem Projekt HealthKit. Beide Projekte verfolgen das Ziel, möglichst viele Gesundheitsdaten von Apps der unterschiedlichsten Hersteller zentral zu speichern und zusammenzuführen.

Weiterhin behauptet der Autor, dass Google somit eine weitere Lücke der „Rundumüberwachung“ (Z.16f) schließen  kann. Eine weitere Lücke deshalb, da das Unternehmen erst vor kurzem einen Hersteller für Rauchmelder und Heizungsthermostaten aufgekauft hat. Diese Geräte würden die aktuellen Messdaten ins Internet senden, was den Autor zu der These bringt, dass Google somit Rückschlüsse über unsere finanzielle Lage schließen kann oder sieht, wann jemand zu Hause ist.

Er stellt die Antithese, dass sicherlich keiner der „großen“ Anbieter aus datenschutzrechtlichen Gründen die gesammelten Daten inklusive Adressen weitergeben würde, auf. Diese Antithese wird jedoch sofort vom Autor selbst entkräftet, denn der Autor behauptet zusätzlich, dass aus all den anderen gesammelten Daten, wie beispielsweise Kaufverhalten und Vorlieben, Erkenntnisse über den Gesundheitszustand gewisser Kundengruppen gewonnen werden könnten, um diese Daten anschließend an Versicherungsunternehmen zu verkaufen. Dazu nennt er im Folgenden das Beispiel, dass Google anhand dessen, dass der Kunde eine Gesundheitsapp gekauft hat, Rückschlüsse auf das Gesundheitsverhalten schließen oder aber an den Vorlieben zu bestimmten Musikgruppen durch statistische Berechnungen zu gewissen Erkenntnissen kommen kann.

Laut dem Autor hat die Firma Nudge bereits erste Gespräche mit Versicherungsunternehmen geführt, um die Daten ihrer Gesundheitsapp diesen bereitzustellen. Er zitiert die Firma, dass diese zurzeit jedoch davon Abstand halte, da diese das Vertrauen der Nutzer und die Daten privat halten will (Vgl. Z. 39f).

Abschließend äußerte er die Meinung, dass vielen Nutzern gar nicht bewusst sei, welche Macht den Firmen durch das Sammeln der Daten gegeben werde und behauptet, dass selbst wenn einem die Privatheit versprochen werde, es dafür keine Garantie gäbe, dass die Firmen die Daten nicht trotzdem statistisch auswerten und verwenden. Der Autor beendet seinen Artikel mit der Aussage, dass wir vorsichtig sein sollten, wenn Versicherungsgesellschaften eines Tages nach unserem Lieblingsmusiker fragen würden.

Der Text des unbekannten Autors ist teilweise deskriptiv, da informativ, größtenteils aber argumentativ, da dieser seine eigene Meinung äußert und die Meinung der Leser versucht zu beeinflussen. Dies wird deutlich, dass er zunächst im Text auf die Situation hinweist, dass Google und Co. durch die Vorlieben zu bestimmten Musikgruppen Rückschlüsse auf unseren Gesundheitszustand ziehen könnte (Vgl. Z. 33ff) und im letzten Satz seines Artikels genau dieses Beispiel  als eine Art Appell an den Nutzer richtet, dass dieser vorsichtig werden sollte, wenn Versicherungsgesellschaften nach unseren Lieblingsmusikern fragen. (Vgl. Z. 46f) Er verwendet dabei das Wort „uns“ (Z. 46) welches einen Gemeinschaftssinn beim Leser auslöst und somit seine Argumentation stärkt.

Der Autor schreibt teilweise ironisch klingende Aussagen, wie zum Beispiel: „Natürlich nur im Interesse der Kunden, […]“ (Z. 14) oder aber „Derzeit wolle man jedoch von ‚Versicherungen den Abstand halten, […]‘ .“ (Z. 40f)  und verwendet des Weiteren das Wort „Datenkrake“ (Z. 16) als Metapher für Googles Interesse an möglichst vielen Daten.

Doch hat die Datensammlung der Großkonzerne wirklich Folgen?

Meiner Meinung nach liegt der größte Vorteil der neuen Fitness Tracker darin, dass die Menschen sich mehr Gedanken um ihre eigene Gesundheit machen. Durch die Richtwerte bzw. Vorgaben der Apps, wird dem Nutzer erst vor Augen gehalten, wie viel Sport bzw. Fitness er ausführen muss um gesund zu leben. Vielen Menschen ist gar nicht bewusst, wie viel Kalorien, Fett oder Zucker ein bestimmtes Nahrungsmittel enthält und welcher sportliche Aufwand dahinter steckt um dieses auszugleichen. Fakt ist, dass die Fettleibigkeit in den Industrieländern in den letzten Jahren stark zugenommen hat[2] und dagegen etwas getan werden muss. Dabei können Fitness Tracker dem einen oder anderen Menschen helfen.

Alleine abnehmen ist langweilig! Durch die Vernetzung und dem Austausch der Fitnessdaten mit zentralen Plattformen können Freunde und Bekannte den eigenen Fitnessstand verfolgen. Dies führt bei vielen Menschen zu mehr Motivation und dadurch zu einer längeren Ausdauer. Es kann zudem auch eine Art Wettbewerbsgefühl bei manchen Menschen aufkommen, welches auch positive Auswirkungen auf das Durchhaltevermögen haben kann. Wollen beispielsweise 2 Freunde gemeinsam abnehmen, können diese sich gemeinsame Ziele setzen und den Status des Erfolgs der jeweiligen anderen einsehen. Dadurch entsteht ein gewisser Leistungsdruck auf den einzelnen und kann schneller zu den gewünschten Erfolgen führen.

Ein weiterer Vorteil, welcher laut Autor eher als nachteilig empfunden wird, ist meiner Ansicht nach, dass durch den anonymisierten Austausch der gewonnenen Daten mit den Großkonzernen wie Google oder Apple Statistiken geführt werden können. Diese können meiner Meinung nach bei Forschungszwecken helfen bestimmte Rückschlüsse auf gesundheitliche Probleme zu ziehen. Es ist zum Beispiel durch die Überwachung des CO2 Gehaltes und der Raumtemperatur in der Luft möglich, Ursachen für ein schlechtes Schlafverhalten bzw. Konzentrationsschwierigkeiten zu finden. Das Schlafverhalten, sowie die Umgebungswerte (Luftqualität, Temperatur) kann durch Fitnessarmbänder überwacht werden und die Auswertung geschieht über Google und Co. Ähnlich wird es auch im Roman von Juli Zeh beschrieben, dort wird zum Beispiel die Raumtemperaturen überwacht, denn die ideale Temperatur zum Denken liegt laut Buch bei exakt 19,5 Grad. Diesen Wert könnte man meiner Ansicht nach  jedoch nicht ohne die Datensammlung und den Datenvergleich von vielen tausend Messergebnissen bestimmen.

Aber so schön diese Vorteile auch alle klingen, es gibt natürlich auch einige Nachteile, die nicht unerwähnt bleiben sollten.

Durch die Auswertung unserer Daten ist es den Konzernen möglich, Profile von jedem Individuum zu erstellen. Dadurch wird der Mensch berechen- und somit auch leicht manipulierbar. Kennt Google zum Beispiel unser Problem mit dem Übergewicht, ist es möglich gezielt Werbung zu schalten. Uns werden Angebote zu irgendwelchen „30 Tage Diäten“ oder zu eigenartigen, völlig überteuerten Wundermitteln vorgeschlagen. Der Kunde, also wir, fühlt sich natürlich persönlich angesprochen und bestellt. Dadurch hat Google höhere Werbeinnahmen und wir irgendwelche Produkte, die in den meisten Fällen nicht zum Erfolg führen.

Weiterhin vertrete ich die Meinung, dass unsere Daten früher oder später bei unserem Versicherungsunternehmen landen werden. Viele Versicherungen bieten schon jetzt an, sich selbst freiwillig überwachen zu lassen um somit von günstigen Konditionen profitieren zu können. Dies macht in jungen Jahren auch manchmal Sinn. Doch was ist, wenn ich die letzten Jahren gesund gelebt habe aber mich nicht überwachen lassen wollte? Warum muss ich trotzdem mehr bezahlen? Und was ist später einmal? Muss ich im Alter mehr bezahlen, weil ich nicht jeden Tag ins Fitnessstudio gerannt bin und dadurch nicht meinen Fitnessstand dem Versicherungsunternehmen mitteilen konnte? Umso mehr Menschen die Daten an Versicherungen senden, umso kleiner wird die Minderheit, die es nicht tun. Irgendwann gehört es zum guten Ton, dies zu machen und der, der es nicht macht, wird dafür bestraft. Wollen wir das?

Doch als größten Nachteil der Gesundheitsüberwachung durch Fitness Tracker sehe ich das Problem, dass eines Tages auch der Staat an diesen Daten interessiert sein wird. Es fängt mit Google und Co an, geht dann weiter zu den Versicherungen und endet damit, dass eines Tages, wie im Buch Corpus Delicti beschrieben, der Staat für die Überwachung des Gesundheitszustands zuständig ist. Es gibt immer mehr ältere Menschen in Deutschland, da zu wenige Kinder geboren werden. Dadurch erhöhen sich die Renten- und Krankenausgaben. Ausgaben die jedoch nicht mehr gedeckelt werden können. Umso besser, wenn die Leute dann erst so spät wie möglich krank bzw. hilfebedürftig werden. In der Regel werden jedoch die Menschen, die ungesund gelebt haben häufiger krank. Deshalb muss der Staat dafür sorgen, dass die Menschen sich durch Fitness gesund halten und die, die das verweigern, werden dementsprechend bestraft. Denn jeder, der nicht gesund lebt, ist ein zusätzlicher Kostenfaktor in der Gesellschaft.

Zusammenfassend bin ich der Meinung, dass Fitness Tracker persönlich helfen können, gewisse Ziele zu erreichen und um ein Gefühl zu bekommen, wie ich in etwa leben sollte, um einigermaßen gesund zu bleiben. Gesundheit ist jedoch auch mit den Trackern nicht garantiert. Man kann im nächsten Moment vom LKW auf dem Fahrrad (da Fahrradfahren ja  gesünder ist) übersehen werden oder völlig überhöhte Stickstoffoxide (Stichwort VW) im Straßenverkehr einatmen.  Solange die Daten nicht zentral gespeichert, analysiert und weitergegeben werden, sind die Fitness Tracker eine sinnvolle Ergänzung. Allerdings ist dies heute schon nicht der Fall und wird in der Zukunft auch nicht besser werden, weshalb ich gegen den Trend der Datenerhebung bin. Ich möchte nicht eines Tages vorgeschrieben bekommen, wie ich zu leben habe und möchte auch nicht, dass andere wissen, wie ich lebe. Wollen Sie etwa, dass eines Tages ein Vertreter des Staates bei Ihnen vor der Tür steht und Ihnen aufzählt, welche Aktivitäten Sie diese Woche noch auszuführen haben und welche Lebensmittel die nächste Zeit tabu sind? Ich glaube nicht!

[1] http://de.statista.com/statistik/daten/studie/421270/umfrage/absatz-von-smartwatches-und-gesundheits-und-fitness-trackern-weltweit/

[2] http://de.statista.com/themen/1468/uebergewicht-und-adipositas/

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