Im vorliegenden Artikel handelt es sich um eine Klausuraufgabenstellung. Die Aufgabe war es, einen Auszug aus der 3. Szene des 2. Aktes des Dramas Friedrich Schiller „Die Räuber“ zu analysieren und interpretieren. Dabei sollte vorallem auf die folgenden Punkte eingegangen werden:

  • Einordnung der Szene in die Dramenhandlung
  • Inhalt des Gesprächs zwischen Karl und dem Pater zusammenfassen
  • sprachliche Gestaltung untersuchen
  • Karl Moor charaktersieren
  • Aufgabenart: untersuchendes Erschließen
  • Thema: Friedrich Schiller – „Die Räuber“ – Jugend und Revolte
  • Zeitvorgabe: 180 Minuten
  • Hilfsmittel: Wörterbuch der deutschen Rechtschreibung

Szenenanalyse Friedrich Schiller – Die Räuber (Akt II, Szene 3)

Einleitung

Der vorliegende Szenenausschnitt stammt aus der 3. Szene des 2. Aktes aus dem Drama „Die Räuber“ von Friedrich Schiller, welches in den Jahren 1779 / 1780 im Internat der württembergischen Karlsschule entstand. Das Drama wurde im Jahr 1782, zur Zeit des Sturm und Drang, der Empfindsamkeit sowie der Aufklärung im Mannheimer Nationaltheater uraufgeführt. Das Thema des Textauszuges ist die Rechtfertigung Karls für seine Taten, sowie das Anprangern der Kirche.

Was geschah vor der Szene?

Dem Szenenausschnitt vorausgegangen ist eine Intrige Karls Bruder Franz. Dieser hat einen Brief von Karl an seinen Vater gefälscht und somit dafür gesorgt, dass Karl von seinem Vater enterbt und verstoßen wurde. Karl hatte mit dieser negativen Antwort nicht gerechnet und gründete daraufhin eine Räuberbande, deren Hauptmann er wurde. Die Räuberbande schwor sich ewige Treue bis in den Tod. Nachdem Franz durch eine weitere Intrige dem Vater Schuldgefühle aufgrund des angeblichen Todes Karls machen konnte, dieser dadurch in Ohnmacht fiel und Franz ihn für tot erklärte, konnte Franz den Thron des Vaters einnehmen. Unmittelbar vor dem Szenenabschnitt kam Karl zurück in die böhmischen Wälder, nachdem er erfolgreich seinen engen Räuberfreund Roller vor der Hinrichtung retten konnte. Bei dieser Befreiungsaktion wurde jedoch das Dorf, in dem Roller hingerichtet werden sollte, in Schutt und Asche gelegt und es kamen viele Unschuldige Menschen ums Leben.

Die Handlung des Szenenausschnitts setzt ein, als 710 Soldaten den böhmischen Wald umstellen und ein katholischer Ordensgeistlicher zu den Räubern geht.

Inhaltsangabe der vorliegenden Szene

Zu Beginn des Szenenauszugs, stellt sich der Pater zunächst selbst vor und fängt sogleich an, die Räuber für ihre Gräueltaten zu beschimpfen. Schweizer versucht das zu verhindern, jedoch möchte Karl Moor ihn weiter zu Wort kommen lassen und hält deshalb Schweizer zurück. Nachdem der Geistliche im Eifer die Schandtaten aufzählt, welche die Bande begangen hat, tritt Karl zu ihm näher heran und bestätigt die aufgezählten Taten. Er listet noch weitere auf und zeigt mit Stolz seine Errungenschaften, darunter auch einen Schmuckstein, dem er einem geistlichen abnahm, nachdem er diesen erwürgt hat. Zum Ende des Textauszuges redet Karl abwertend über die Kirche und kehrt dem Pater den Rücken zu.

Szenenanalyse hinsichtlich der Sprache

Im vorliegenden Szenenausschnitt handelt es sich größtenteils, bis auf einige wenige Aussagen in denen Schweizer zu Wort kommt, um einen Dialog zwischen dem Pater und Karl von Moor. Schiller benutzt zur besseren bildhaften Vorstellung auch Regieanweisungen. Der Textanteil zwischen Karl und dem Pater ist in etwa gleich. zu Beginn der Szene redet der Pater und Karl hört ihm interessiert zu, befiehlt sogar seinem Räuberkompanen Schweizer ruhig zu sein: „Schweig, Kamerad! […]“ (Z.6). Nachdem der Pater mit seiner „Predigt“ (Z. 16) fertig ist, meldet sich Karl zu Wort. Der Text ist in Prosa geschrieben, was im Vergleich zur Verssprache ungeordneter wirkt. Die Sätze sind meist derb und beinhalten viele Gewalt- und Kraftausdrücke, so zum Beispiel „Hund“ (Z. 13) als Beleidigung, „Höllenbrut“ (Z. 11) oder „Pfaffen“ (Z. 60) zur Abwertung der Geistlichen. Diese gefühls- und ausdrucksstarke Sprache ist ein typisches Merkmal des Sturm und Drang und drückt die empathische Art der jungen Generation aus. Metaphern, „[…] der rote Saft […]“ (Z. 39), „[…] köstliches Mahl für Raben und Ungeziefer […]“ (Z. 11) oder „[…] Blut saufst du wie Wasser […]“ (Z. 19) helfen, sich das Gesagte besser vorstellen zu können und werden durch Hyperbeln unterstützt: „[…] feuerarmigen Moloch […]“ (Z. 71). Zudem werden viele Parenthesen verwendet: „[…] bei der Hälfte deiner Verbrechen zu und lässt es – denk doch! – und lässt es bei dem Rade bewenden.“ (Z. 35f).

Nebenaufgabe, Charakterisierung Karl von Moor

Karl von Moor ist ein junger, gutaussehender, adliger Mann, dessen Alter zwischen 20 und 30 Jahren liegt. Er ist der erstgeborene Sohn des Vaters Graf Maximilian von Moor und wurde in seiner Kindheit oft bevorzugt gegenüber seinem Bruder Franz. Er gilt als alleiniger Erbe und Thronnachfolger, sowie als brüderliche Rivale Franz`. Nach der Verstoßung durch den Vater gründete er eine Räuberbande, der er ewige Treue schwor. Er wurde zum Hauptmann gewählt und rebelliert gegen die Adelsstände, sowie geistlichen Einrichtungen. Auf seiner Führerposition ist er stolz: „[…] hier stehn neunundsiebzig, deren Hauptmann ich bin […]“ (Z. 41f). Auch ist er stolz auf seine vielen taten, die zum einen der Pater aufzählt, zum anderen von ihm ergänzend hinzugefügt werden: „Ich habe noch mehr getan.“ (Z. 49f). Karl ist ein höflicher Mensch, da er den Pater zunächst ausreden lässt, bevor er seine Sichtweise bekundet, jedoch ist dies von ihm auch ironisch zu verstehen, da er die „Predigt“ (Z. 16), die der Pater „so brav auswendig“ (Z. 16) gelernt hat ins lächerliche zieht. Er ist ein typischer Vertreter der Empfindsamkeit aber vor allem auch des Sturm und Drang, da er gegen die Missstände durch die Ausbeutung vonseiten der Kirche und der Reichen rebelliert. Er kann als Robin Hood des 18. Jahrhunderts angesehen werden, da er versucht Gerechtigkeit herzustellen, den Reichen zu nehmen und den Armen zu geben: „Diesen Demant zog ich einem Finanzrat ab, der Ehrenstellen und Ämter an die Meistbietenden verkaufte und den trauernden Patrioten vor seiner Türe stieß.“ (Z. 57ff). Sein Vorgehen sieht er als Vergeltung (Vgl. Z. 89) an. Die Kirche wird von ihm verspottet: „[…] Affen der Gottheit!“ (Z. 76).

Auswirkungen der Szene auf das Drama

Die Szene hat Einfluss auf den weiteren Verlauf des Dramas. Karl reflektiert, dass ihm auch Unschuldige zum Opfer fallen und versucht später in sein altes Leben zurückzukehren. Dies gelingt ihm jedoch nicht und er rutscht immer tiefer in die Spirale des Mordens hinein. Im Grunde will Karl Gutes tun, doch macht er dies mit Hilfe von Schlechtem. So entsteht ein innerer Konflikt, den Karl mit sich selbst führt.

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