Dieser Artikel widmet sich Karl von Moor aus Friedrich Schiller – Die Räuber. Im Folgenden Beitrag findest du eine beispielhafte Charakterisierung zu Karl von Moor.

Charakterisierung Karl von Moor

Karl von Moor ist ein junger, gutaussehender, adliger Mann, dessen Alter zwischen 20 und 30 Jahren liegt. Er ist der erstgeborene Sohn des Vaters Graf Maximilian von Moor, auch der alte Moor genannt.Auf dem Bild zu sehen ist Karl von Moor aus Friedrich Schiller- Die Räuber.

Sein jüngerer Bruder heißt Franz von Moor. Karl von Moor wurde in seiner Kindheit oft bevorzugt gegenüber seinem Bruder behandelt und da er der erstgeborene Sohn ist, gilt er als alleiniger Erbe des Vaters Vermögens und Thron, sowie als brüderlicher Rivale Franz. Das Schloss, deren Bedienstete, sowie das teure Studium Karls, lassen schlussfolgern, dass die Familie wohlhabend aufgestellt ist.

Zu Beginn des Dramas charakterisiert sein Bruder Franz ihn als entgegenstehende Kontrastperson, gekennzeichnet durch Karls ablehnender Haltung gegenüber den gesellschaftlichen und geistigen Einrichtungen und dem Drang nach individueller Freiheit:

„Schändlicher, dreimal schändlicher Karl! Ahndete mirs nicht, da er, noch ein Knabe, den Mädels so nachschlenderte, mit Gassenjungen und elendem Gesindel auf Wiesen und Bergen sich herumhetzte, den Anblick der Kirche, wie ein Missetäter das Gefängnis, floh und die Pfennige, die er Euch abquälte, dem ersten dem besten Bettler in den Hut warf, während dass wir daheim mit frommen Gebeten und heiligen Predigtbüchern uns erbauten? – Ahndete mirs nicht, da er die Abenteuer des Julius Cäsar und Alexander Magnus und anderer stockfinsterer Heiden lieber las, als die Geschichte des bußfertigen Tobias? […]“ (Akt I, Szene 1, Z. 22ff, S. 7).

Weitere „glänzende Tugenden“ werden von Franz beispielsweise so beschrieben: „feurige[r] Geist, […], „Offenheit“, „Weichheit des Gefühls“, „männliche[r] Mut“, sowie „unüberwindliche[r] Starrsinn“ (Akt I, Szene 1, Z. 3ff, S. 8).

Trotz seines Adelsstatus, scheint er nicht überheblich zu sein, denn er spielte in seiner Kindheit oft mit den anderen Kindern aus dem Dorf: „[Karl], noch ein Knabe, [hetzte] mit Gassenjungen und elendem Gesindel auf Wiesen und Bergen sich herum“ (Akt I, Szene 1, Z. 22ff, S. 7).

Nachdem Karl durch die Intrigen seines Bruders von seinem Vater enterbt und verstoßen wurde, nahm Karl diese vermeintlich private Enttäuschung als Motiv zur Gründung einer Räuberbande, in der er sich zum Anführer wählen ließ. Durch die Gründung der Räuberbande deutet Karl sein persönliches Unrecht zum gesellschaftlichen Unrecht:

Siehe, da fällt’s wie der Star von meinen Augen, was für ein Thor ich war, dass ich ins Käfig zurück wollte! – Mein Geist dürstet nach Taten, mein Atem nach Freiheit. – Mörder, Räuber! – mit diesem Wort war das Gesetz unter meine Füße gerollt – Menschen haben Menschheit vor mir verborgen, da ich an Menschheit appellierte, weg denn von mir, Sympathie und menschliche Schonung! – Ich habe keinen Vater mehr, ich habe keine Liebe mehr, und Blut und Tod soll mich vergessen lehren, dass mir jemals etwas teuer war!“ (Akt I, Szene 2, Z. 16ff, S. 28).

Nach anfänglichem Enthusiasmus, erkennt Karl, dass Gewalt keine Lösung ist und er unschuldige Menschen, aus Enttäuschung durch seinen Vater, tötet. Dies zeigt den innerlichen Konflikt zwischen Recht und Unrecht den Karl mit sich selbst führt.

Karl glaubt in sein altes Leben zurückkehren zu können, doch muss dann von den Mitgliedern der Räuberbande an seinen eigenen Treueschwur erinnert werden. Dies zeigt zugleich seinen Egoismus und die Rücksichtslosigkeit gegenüber anderen. Auch die schlussendliche Ermordung seiner Geliebten Amalia oder den indirekt herbeigeführten Tot seines Vaters, durch die Überbringung der Schocknachricht, dass sein Sohn ein Mörder und Räuberhauptmann sei, ist ein weiterer Beweis zwischen seinen moralischen Skrupeln und dem tatsächlichen Handeln, sowie seines hohen Besitzanspruches, denn kurz bevor er Amalia ermordet heißt es „Moors Geliebte soll nur durch Moor sterben“ (Akt V, Szene 2, Z. 1f, S. 138).

Zum Ende des Dramas versucht Karl die Ordnung wiederherzustellen und stellt sich wiederum als „Opfer“ da, indem er sich der Justiz stellt. Da auf ihn ein Kopfgeld ausgesetzt ist, versucht er mit seiner letzten Aktion Gutes zu tun, indem er das Ausliefern an die Justiz einem Tagelöhner überlässt. Dies zeigt, dass Karl auch eine liebevolle und barmherzige Seite an sich hat.

Zusammenfassend kann man sagen, dass der Protagonist des Dramas ein zwiespältiges Gesicht hat. Einerseits ist er das Opfer der Intrigen seines Bruders Franz und will sich durch diese Enttäuschung an der Gesellschaft, durch die Gründung und Anführung einer Räuberbande, rächen, andererseits bemerkt er während der Handlung auch, dass er moralisch falsch handelt und versucht in sein altes Leben zurückzukehren.